Wohnerleichterer zu Gast bei Rotenburger Seniorensprechstunde
Collage: Wohnerleichterer zeigen Senioren Hilfsmittel für den Alltag
„Jeder möchte im Alter möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben“, sagte Dr. Ilka Rath. Damit brachte die Vorsitzende des Rotenburger Seniorenbeirats auf den Punkt, worum es bei dieser Seniorensprechstunde gehen sollte: Hilfsmittel für selbstständiges Wohnen im fortgeschrittenen Alter.
Elise Wigger-Stelter war zu der Veranstaltung im Haake-Meyer-Haus eingeladen und stellte das Angebot des Senioren- und Pflegestützpunktes Niedersachsen vor. Seit fünf Jahren berät die Altenpflegerin und Sozialarbeiterin an der Bahnhofstraße 15 in Rotenburg rund um die Themen Pflege, Wohnen und Unterstützung im Alltag.
Besonderen Fokus legte sie auf das Projekt der Wohnberatung, das seit 2011 besteht und heute von 15 ehrenamtlichen Wohnberaterinnen und Wohnberatern getragen wird. Diese kommen aus ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen – vom Handwerk über Architektur und Bauingenieurwesen bis hin zu Pflege und Pädagogik. Neu im Team ist auch Marlies zum Felde, Mitglied des Seniorenbeirates, sowie Rolf Henke, der als Bauingenieur seit rund anderthalb Jahren ehrenamtlich unterstützt.
„Wohnerleichterer“ – ein niedrigschwelliges Angebot.
Wigger-Stelter erläuterte, dass sich das Team bewusst als „Wohnerleichterer“ bezeichnet: „Wohnberatung klingt oft nach Kosten. Wohnerleichterer beschreibt besser, was wir tun – nämlich das Wohnen erleichtern.“ Die Beratung ist kostenlos und unabhängig, richtet sich an Senioren, Menschen mit Pflegebedarf jeden Alters sowie Familien mit pflegebedürftigen Kindern. Auch vorsorgliche Beratung – etwa für junge Familien oder Menschen, die ihr Haus frühzeitig altersgerecht planen möchten – gehört zum Angebot.
Der Senioren- und Pflegestützpunkt ist an drei Standorten im Landkreis vertreten: Rotenburg, Zeven und Bremervörde. Die Kontaktaufnahme ist telefonisch, per E-Mail oder über ein Online-Formular möglich.
Ausbildung, Austausch und Auszeichnung
Die Ehrenamtlichen werden über mehrere Monate qualifiziert, unter anderem durch Referenten des Niedersachsenbüros „Neues Wohnen im Alter“. Regelmäßige Austauschtreffen alle zwei Monate sorgen dafür, dass Erfahrungen geteilt und Beratungsfälle gemeinsam reflektiert werden.
Besonders stolz ist das Team auf den Niedersächsischen Ehrenamtspreis 2022, der ihnen von Ministerpräsident Stephan Weil verliehen wurde. Mit dem Preisgeld konnten sogenannte Hilfsmittelkoffer angeschafft werden – gefüllt mit praktischen Alltagshilfen, die Sicherheit und Selbstständigkeit erhöhen.
Wie Wohnberatung konkret hilft
Wigger-Stelter und Henke gaben einen detaillierten Einblick in die Praxis der Wohnberatung. Sie beginnt oft schon vor der Haustür, denn Stolperfallen, fehlende Beleuchtung oder unebene Wege sind häufige Risiken.
Im Haus selbst werden Empfehlungen zu Umbaumaßnahmen, Hilfsmitteln und Sicherheitsaspekten gegeben – vom Badumbau über Türschwellen bis hin zu beleuchteten Hausnummern. Letztere seien ein oft unterschätztes Thema: „Eine Ratsuchende erzählte, dass der Rettungsdienst sie zuletzt nicht finden konnte – da wurde ihr erst bewusst, wie wichtig eine beleuchtete Hausnummer ist.“
Die Wohnberater unterstützen zudem bei der Beantragung von Zuschüssen der Pflegekassen, die derzeit bis zu 4.180 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bereitstellen. Bei größeren Umbauten kann auch das Sozialamt ergänzend helfen. Wichtig sei, so Wigger-Stelter, dass Anträge immer vor Beginn der Maßnahmen gestellt werden.
Zu jeder Beratung wird ein Protokoll in Checklistenform erstellt, das den Ratsuchenden hilft, weitere Bereiche der Wohnung selbst zu überprüfen. Häufig werden nur einzelne Räume – etwa das Badezimmer – gewünscht, doch die Checkliste ermöglicht eine umfassende Nachbereitung.
Ein wertvolles Angebot für den gesamten Landkreis
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig und vielseitig die Wohnberatung im Landkreis Rotenburg ist. Die Mischung aus fachlicher Kompetenz, ehrenamtlichem Engagement und persönlicher Nähe macht das Angebot zu einer tragenden Säule der Unterstützung für ältere und pflegebedürftige Menschen.
Der Seniorenbeirat dankte den Referentinnen und Referenten sowie den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz und betonte die Bedeutung solcher Informationsveranstaltungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter.
Für alle, die den Termin verpasst haben, soll es im Herbst eine weitere Veranstaltung zu dem Thema geben.