Die Gebeine der NS-Opfer auf dem Rotenburger Waldfriedhof: Schulprojekt macht Hintergründe vor Ort zugänglich
Die sterblichen Überreste von Kriegsgefangenen und KZ-Opfern lagen und liegen auf dem Waldfriedhof Freudenthalstraße in Rotenburg. Welches Leid dahinter steckt und wie die Gebeine letztlich auf dem städtischen Friedhof kamen, dazu hat ein Kurs des Rotenburger Ratsgymnasiums recherchiert. Entstanden sind zwei Info-Tafeln, die kürzlich der Öffentlichkeit übergeben wurden, und nun Interessierte vor Ort aufklären.
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 13-SF-4 haben unter Leitung ihres Lehrers Norbert Bitzer einiges an Arbeit investiert. Unterstützt wurden sie dabei von Heinz Promann, der sich bereits bei der Umgestaltung des Kriegsgefangenengrabs auf dem jüdischen Friedhof eingebracht hatte.
Besucherinnen und Besucher der Kriegsgräberanlage erfahren so etwa von den KZ-Häftlingen aus Neuengamme bei Hamburg, die erst die Gewaltmärsche zum Lager Sandbostel hinter sich brachten und die dabei vorherrschenden brutalen Bedingungen überlebten. Viele starben dann aber vor Ort oder später, selbst nach der Befreiung am 29. April 1945 und trotz medizinischer Versorgung im Ausweichkrankenhaus Unterstedt. Die Verstorbenen, die auf dem Gebiet des heutigen Kleekamps beigesetzt worden sind, wurden 1952 auf den Waldfriedhof umgebettet.
Weiteres Augenmerk legen die Schülerinnen und Schüler auf örtlich beigesetzte Kriegsgefangene. 31 von ihnen verrichteten Zwangsarbeit in der Schießpulverfabrik Eibia in Diensthop bei Verden, von 13 weiteren wird angenommen, dass sie während des Krieges zwangsweise in der Landwirtschaft eingesetzt waren. Auch die „Mission de Recherche“ spielt eine Rolle. Immerhin haben die Französischen Forscher in den 1950er Jahren bei der Suche nach Gräbern von französischen Staatsangehörigen auch zur Exhumierung der 375 KZ-Oper auf dem Friedhof Kleekamp beigetragen.
Die wichtige Erinnerungsarbeit der Schülerinnen und Schüler würdigten bei der Einweihung Rotenburgs Erste Stadträtin Bernadette Nadermann, Landrat Marco Prietz, Stephan Lohmann von der städtische Friedhofsverwaltung und Jan Effinger vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.