Deutsche Friedhofskultur ist Immaterielles Kulturerbe – und die Stadt Rotenburg zeigt es auch
Präsentieren das neue Schild: Die Rotenburgerinnen Karin Herrling und Cornelia Gewiehs mit Stephan Lohmann von der Friedhofsverwaltung
Deutschland muss sich mit seiner Friedhofskultur nicht verstecken – im Gegenteil: Seit 2020 ist sie Immaterielles Kulturerbe. Die Stadt Rotenburg beteiligt sich nun an der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“. Sie soll den Status der Friedhofskultur stärker in die Öffentlichkeit rücken. Bei der Beteiligung bekommt die Stadt Unterstützung.
Karin Herrling und Cornelia Gewiehs spenden sieben Schilder im Wert von insgesamt 623 Euro an die Stadt. Die Hinweistafeln zeigen den Besuchern der städtischen Friedhöfe in Rotenburg und in den umliegenden Ortschaften die Auszeichnung. „Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ lautet der deutlich sichtbare Schriftzug mit blattgrüner Einfassung und goldenem Ginkgo-Blatt.
Mit der Spende ermöglichen die Rotenburgerinnen der Stadtverwaltung ein etwas schnelleres Anbringen der Schilder, denn auf diese Weise musste die Friedhofsverwaltung nicht auf die Freigabe des Haushalts warten. „Wir wollten Herrn Lohmann und seinem Team helfen, weil sie sich engagieren“, fasst Cornelia Gewiehs die Motivation zur Spende zusammen.
Deutsche Friedhofskultur ist aus guten Gründen Kulturerbe, erläutert Stephan Lohmann. Die deutsche Bestattungskultur, die Gestaltung der Grabanlagen und der Aufwand für den Erhalt, das sei schon einmalig, sagt der Leiter der Rotenburger Friedhofsverwaltung. Deutsche Friedhöfe sind demnach nicht nur Orte des Trauerns, sondern auch Orte der Ruhe. Mancher zieht sich zum Lesen auf den Friedhof zurück. Gern begegnet man dort auch Schulklassen, die etwas über den dortigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere lernten.
Apropos „begegnen“: „Der Friedhof ist eben nicht nur ein Ort, an dem wir unsere Vorfahren beisetzen, hier kann auch etwas entstehen“, fasst Stephan Lohmann zusammen. Der Stadtverwaltung sind Beziehungen bekannt, die auf einer ersten zufälligen Begegnung auf einem Rotenburger Friedhof beruhen.
Natürlich bleibt der Friedhof ein Ort für die Toten und des Totengedenkens – aber mehr und mehr wird er auch zu einem Ort für die Lebenden. Spätestens mit dem Tag des Friedhofs am 13. September 2026 wird sich das Besucherinnen und Besuchern zeigen, denn dann gibt es von 11 bis 16 Uhr Programm auf dem Waldfriedhof in Rotenburg. Unter anderem vorgesehen ist eine Führung speziell für Kinder.